Stilllegung der Parenzana

Einstellung des Bahnbetirebs 

Am 12. Dezember 1934 ereignete sich auf der Parenzana ein weiterer Unfall. Glücklicherweise gab es bei diesem Unfall keine Menschenopfer.
Im darauf folgenden Jahr drohte der Parenzana das entgültige Aus.  Aufgrund des geplanten Baus einer Ölraffinerie zwischen Žavlja und dem Kap Stramare  entlang der Bahnstrecke sollte diese stillgelegt werden. Am 14. Juli 1935 wurde der Konzession für den Bau der neuen Anlage zugestimmt und die Eisenbahnlinie Triest-Poreč am 31. August des gleichen Jahres eingestellt. Bereits im März wurde in einem Bescheid mitgeteilt, dass nach Einfahrt des letzten Zuges in Triest, am 31. August 1935 die Eisenbahnstrecke für den Verkehr eingestellt wird.
Einen Tag nach der Schließung der Bahnlinie wurde  ein Autofahrdienst mit vier Verkehrslinien eingeführt. Dieser deckte das Gebiet, auf der bisher die Parenzana Bahnlinie verkehrte, perfekt ab. Die Pkw-Vehrkehrslinien konnten jedoch den Bedarf der Lokalbevölkerung nicht abdecken und reichten auch für den Personen- und Güterverkehr, insbesondere im Hinterland, nicht aus.
Nach Stilllegung des Verkehrs der Bahnstrecke Trieste-Poreč sowie dem raschen Abbau der Haltestellen und Telefonanlagen, kam es zu einer längeren Stagnationsphase. Nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Fall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde die Parenzana kurzzeitig zwar noch befahren, stagnierte jedoch immer mehr. Nach insgesamt 33 Jahren fiel sie endgültig der Stilllegung zum Opfer, vorallem durch den starken Konkurrezdruck  hinsichtlich des schnelleren und billigeren Straßenverkehrs. Obwohl die Parenznana mit ihrem tagtäglichen Linienverkehr symbolisch 33 Jahre lang 33 Orte  entlang der istrischen Grenze mit dem Rest Europas verbunden hatte,  wurde sie gnadenlos öffentlich versteigert.


Auktion

Während die Bevölkerung weiter hoffte, dass die Bahnstrecke für den Verkehr wieder freigegeben würde, hatte die Regierung jedoch die Entscheidung getroffen das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen zu verkaufen. Im Auftrag der Staatlichen Liegenschaftsverwaltung wurde das gesamte Eisenbahnmaterial durch den Fiskus in Triest ausführlich aufgelistet und beschrieben. Dementsprechend wurde eine Liste erstellt, auf der sämtliche Materialteile aufgeführt, gekennzeichnet und gespeichert wurden. Zudem wurden darin  allgemeine sowie besondere Klauseln und Bedingungen für den Verkauf der Einzelteile aufgeführt. Die detailillerte Beschreibung und Auflistung dauerte mehrere Jahre. Am 10. Juli 1939 wurden in allen Gemeinden in Italien, im Amtsblatt des Königreichs Italien sowie in der Rechtsschrift der Provinz von Pula und Triest eine Bekanntmachung über die öffentliche Versteigerung des Eisenbahnmaterials, der Ausrüstung und des Fuhrparks der stillgelegten Bahnlinie veröffentlicht. Der Versteigerungstermin wurde für den 10. August 1939 angesetzt.  Das gesamte bewegliche Vermögen der Parenzana wurde für knapp viereinhalb Millionen Lira versteigert. Die Mitglieder der istrischen Provinz, in deren Büros sich auch der Sitz der lokalen Eisenbahngesellschaft Trieste-Poreč befand, waren über die Bekanntgabe sowie Einladung zur Versteigerung sehr überrascht und haben  sofort einen Verwaltungsausschuss einberufen.
In den Folgemonaten wurden Verhandlungen zwischen der Lokal-Bahngesellschaft Triest-Poreč, dem Finanzministerium und dem Ministerium für Kommunikation über die vorzeitige Konzessionsbeendigung geführt. Die Verhandlungen dauerten länger als erwartet. Während dieser Zeit wurde die Versteigerung fortgesetzt. Mit der Auflösung der Regierung  Istriens und dessen Archivs verschwand auch die Lokal-Bahngesellschaft Triest-Poreč spurlos.
Mit dem Verkauf landeten die Waggons und Lokomotiven in den Besitz der italienischen Staatsbahn. Bis heute kursiert eine besondere Geschichte über das Veschwinden der Schienen der Parenzana jedoch weiß man nicht,  ob diese Geschichte auch der Wahrheit entspricht.. Der Geschichte nach, sollten einige Schienen per Schiff nach Abessinien gebracht werden. Diese kamen jeoch nie in Afrika an, sondern versanken gemeinsam mit dem Frachter im Mittelmeer. Zum Glück  ist aber die Erinnerung erhalten geblieben. Die gut erhaltenen Viadukte, Brücken, Tunnel und Bahnhöfe sowie der große Trassenabschnitt, der sich durch Istrien schlängelt, sind Zeugen der Geschichte der legendären kleinen Eisenbahnstrecke Parenzana, die trotz ihrer bescheidenen aber vitalen Kraft und ihrer Vielfältigkeit, auf  besondere Weise das Erbe multikultureller Werte weitervermittelt hat.
Durch die Stilllegung des Verkehrs entlang der Parenzana kam es zu einer allmählichen Verwahrlosung der Bahnstrecke, sowie anderer mit ihr in Zusammenhang stehender Aktivitäten. All dies wurde zusätzlich durch neue soziale Prozesse, durch die Entwicklung des Massentourismus an der Küste sowie der Migration der Menschen zu ihren neuen Arbeitsplätzen belastet. Deswegen kam es entlang der  einst einflussreichen Zone der Parenzana zum Bevölkerungsrückgang, zur wirtschaftlichen Stagnation, Regression, Verwahrlosung, dem generellen Rückgang des kulturellen Lebens sowie zu einer schlechteren und schwierigen Vernetzung dieser Regionen.


Erbe 

Eine lange Zeit ist seit der Stillegung der Parenzana vergangen, dennoch kommen viele Menschen hierher um die großartige mediterrane Landschaft und ihre beeindruckenden Streckenführung zu erkunden. Die Parenzana hatte eine gesellschaftliche Vernetzung zwischen den Ortschaften und Endstationen geschaffen, welche sich teils in Triest und teils auf der gegenüberliegenden Seite in Poreč befanden.
Sowohl Mensch, Zeit als auch Natur löschen die Spuren der kleinen Eisenbahnstrecke allmählich aus. Aber nichtsdestotrotz sind die Bahnstationen, Bauwerke und Streckenabschnitte dank der Bilder  und der Fotografien  für immer verwahrt worden und somit nicht in Vergessenheit geraten. Alle Objekte entlang der Strecke wurden mit großem Fachwissen erbaut und konnten  viele Jahre überstehen. Höchstwahrscheinlich werden sie auch noch ganz lange,  der  Zeit und der Zerstörung durch Menschenhand widerstehen. Während die Trasse Triest-Poreč noch in Betrieb war, haben sich die Menschen nur wenig für die erwähnten Objekte interessiert, da sie es gewohnt waren, diese zu beobachten und zu nutzen.